Was die Break-Even-Analyse beantwortet
Der Break-Even-Punkt ist der Umsatz, ab dem ein Betrieb weder Gewinn noch Verlust macht. Unterhalb dieses Punktes macht er Verlust. Oberhalb macht er Gewinn. Je näher der aktuelle Umsatz am Break-Even liegt, desto gefährdeter ist der Betrieb — jeder Einbruch führt ins Minus.
Wer seinen Break-Even-Umsatz kennt, kann sofort einschätzen: Wie viel Sicherheitspuffer haben wir? Was passiert bei einem Auftrag weniger pro Monat? Welchen Mindestumsatz muss ich sicherstellen, um die laufenden Kosten zu decken? Diese Fragen sind fundamental — und sie lassen sich ohne Betriebswirtschaftsstudium beantworten.
Die zwei Kostenarten, die du unterscheiden musst
Die Break-Even-Analyse baut auf einer einfachen Unterscheidung auf: fixe Kosten und variable Kosten.
Fixe Kosten entstehen unabhängig davon, wie viel produziert oder geleistet wird. Miete, Leasingraten, Grundgehälter, Versicherungen, Steuerberaterhonorar — sie laufen weiter, auch wenn der Betrieb eine Woche stillsteht. Du bildest die Untergrenze, die immer gedeckt sein muss.
Variable Kosten entstehen nur, wenn auch produziert oder geleistet wird. Materialeinsatz, Fremdleistungen, Provisionen, umsatzabhängige Packaging-Kosten. Je mehr Umsatz, desto mehr variable Kosten — aber nur dann.
Praxistipp zur Klassifizierung: Wenn du unsicher bist, ob eine Kostenposition fix oder variabel ist, frag dich: "Würde diese Kosten entstehen, wenn wir einen Monat lang keine einzige Leistung erbringen?" Ja = fix. Nein = variabel. Bei manchen Positionen (z.B. Personal, das teilweise produktiv, teilweise administrativ arbeitet) gibt es eine Mischform — die können vereinfachend dem nähergelegenen Block zugeordnet werden.
Die Formel — einfacher als erwartet
Der Deckungsbeitrag (DB) pro Umsatzeinheit zeigt, wie viel nach Abzug der variablen Kosten für die Deckung der Fixkosten übrig bleibt. Der Break-Even-Punkt ist erreicht, wenn der gesamte Deckungsbeitrag genau die Fixkosten deckt.
Praxisbeispiel: Schreinerei mit 6 Mitarbeitern
Eine Schreinerei hat folgende Kostenstruktur (Monatswerte):
Fixkosten monatlich:
Löhne Festangestellte (ohne Überstunden): 22.000 €
Miete Werkstatt: 2.800 €
Leasing Maschinen und Fahrzeuge: 3.200 €
Versicherungen, Steuerberater, Telefon, Büro: 1.600 €
Fixkosten gesamt: 29.600 €
Variable Kosten (Material, Subunternehmer): 38 % des Umsatzes
Deckungsbeitragsquote: 100 % − 38 % = 62 %
Break-Even-Umsatz: 29.600 / 0,62 = 47.740 € pro Monat
Die Schreinerei braucht also mindestens 47.740 € Monatsumsatz, um die Kosten zu decken. Bei einem tatsächlichen Monatsumsatz von 62.000 € beträgt der Sicherheitsabstand (auch "Sicherheitsmarge" genannt): 62.000 − 47.740 = 14.260 € oder rund 23 % des Umsatzes. Das bedeutet: Der Umsatz könnte um 23 % einbrechen, bevor der Betrieb in die Verlustzone gerät.
Rechne's für deinen Betrieb durch
Veränder die drei Schieberegler unten — du siehst live, wie sich dein Break-Even und dein Sicherheitsabstand verschieben. Setz deine eigenen Werte ein — die Visualisierung zeigt sofort, ob du aktuell in der Gewinnzone oder im roten Bereich operierst.
Break-Even-Rechner · interaktiv
Wann läuft dein Betrieb in die Gewinnzone?
Miete, Gehälter, Leasing, Versicherungen — alles, was monatlich konstant anfällt
Anteil am Umsatz — Material, Subunternehmer, Provision (wächst mit jedem Auftrag)
Wo du aktuell stehst — wird im Diagramm als Markierung gezeigt
Break-Even-Umsatz
47.742 €
pro Monat nötig
Deckungsbeitragsquote
62 %
je 1 € Umsatz bleiben 62 ¢
Sicherheitsabstand
23 %
so weit darf Umsatz fallen
Du liegst 14.260 € über Break-Even — komfortable Gewinnzone.
Anwendungsfälle — wann die Break-Even-Analyse besonders nützlich ist
Neue Mitarbeiter einstellen
Jede Festanstellung erhöht die Fixkosten. Wer einen neuen Gesellen mit 3.500 € Bruttogehalt plus Lohnnebenkosten (ca. 4.250 € Gesamtkosten) einstellt, erhöht den monatlichen Break-Even-Umsatz um 4.250 / 0,62 = rund 6.850 €. Das ist die Mindest-Mehrleistung, die der neue Mitarbeiter einbringen muss.
Investitionsentscheidungen
Eine neue Maschine für 80.000 € bei 5 Jahren Abschreibung kostet monatlich 1.333 € mehr Fixkosten. Wie viel zusätzlicher Umsatz wird nötig sein, um das zu decken? 1.333 / 0,62 = 2.150 € Mehrleistung pro Monat. Ist das realistisch?
Preiserhöhungen begründen
Wenn Energiekosten, Materialpreise oder Lohnkosten steigen und die variablen Kosten auf 42 % des Umsatzes steigen (statt 38 %), sinkt die DBQ auf 58 %. Der Break-Even-Umsatz steigt auf 29.600 / 0,58 = 51.034 € — fast 3.300 € mehr pro Monat. Das ist das Argument für eine Preiserhöhung.
Krisenszenarien durchrechnen
Was passiert, wenn der größte Kunde ausfällt? Was wenn ein Mitarbeiter drei Monate ausfällt und Kosten entstehen, die nicht produktiv sind? Die Break-Even-Analyse macht diese Szenarien rechenbar und damit planbar.
Die Break-Even-Analyse ist kein einmaliges Projekt — sie ist eine dauerhafte Orientierungszahl. Wer sie kennt und aktuell hält, hat ein Frühwarnsystem für die wichtigste Frage jedes Betriebs: Reicht das, was wir erwirtschaften, wirklich aus?