Analyse & Controlling

ABC-Analyse

Julian Weisel · Fachbegriff

Die ABC-Analyse teilt eine Menge von Objekten — Kunden, Artikel, Lieferanten — nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in drei Klassen ein. Die Logik dahinter folgt dem Pareto-Prinzip: Ein kleiner Teil der Objekte erzeugt den Großteil des Ergebnisses.

Die drei Klassen

Die Einteilung erfolgt typischerweise nach Umsatz- oder Deckungsbeitragsanteil:

  • A-Klasse: ca. 10–20 % der Objekte, aber ~80 % des Umsatzes — höchste Priorität, intensive Betreuung
  • B-Klasse: ca. 30 % der Objekte, ~15 % des Umsatzes — mittlere Priorität, standardisierte Prozesse
  • C-Klasse: ca. 50–60 % der Objekte, nur ~5 % des Umsatzes — niedrigste Priorität, Automatisierung oder Reduktion prüfen

Die genauen Grenzen sind nicht starr — entscheidend ist das Grundprinzip: Ressourcen dorthin lenken, wo sie den größten Effekt haben.

Durchführung in vier Schritten:

1. Objekte nach Umsatz absteigend sortieren

2. Kumulierten Umsatzanteil berechnen

3. Klassen A / B / C nach Schwellenwerten zuordnen

4. Konsequenzen je Klasse ableiten

ABC-Analyse auf Kunden angewendet

Die Kunden-ABC ist für die meisten KMU der direkteste Einstieg. Sie zeigt schnell: Welche 3 bis 5 Kunden machen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus? Was wäre, wenn einer davon ausfällt?

A-Kunden verdienen persönliche Aufmerksamkeit, regelmäßige Abstimmung und schnelle Reaktionszeiten. C-Kunden hingegen rechtfertigen oft keine aufwändige Betreuung — hier lohnen standardisierte Prozesse oder die Frage, ob das Verhältnis überhaupt profitabel ist.

Eine wichtige Ergänzung: Der Umsatz allein sagt nichts über die Profitabilität. Ein A-Kunde, der ständig Sonderkonditionen fordert, viel Beratungsaufwand erzeugt und trotzdem schlecht zahlt, kann de facto ein C-Kunde sein — wenn man die echten Kosten des Verhältnisses einrechnet.

ABC-Analyse auf Artikel angewendet

In Handel und Produktion zeigt die Artikel-ABC, welche Produkte den Lager- und Verwaltungsaufwand treiben, ohne proportionalen Umsatz zu bringen. C-Artikel binden Kapital, erzeugen Komplexität und belasten die Lieferkette — oft ohne dass es jemand bemerkt.

Ein praktischer Ansatz: C-Artikel regelmäßig auf Streichung oder Bündelung prüfen. Jedes eliminierte Produkt spart Lagerhaltungskosten, vereinfacht die Disposition und reduziert das Working Capital.

ABC-Analyse auf Lieferanten angewendet

Auch auf der Einkaufsseite lohnt die Klassifizierung. A-Lieferanten liefern strategisch wichtige Teile oder Materialien — hier sind enge Partnerschaft, Rahmenverträge und Alternativlieferanten essenziell. C-Lieferanten hingegen können oft durch einen einzigen A-Lieferanten ersetzt werden, was den Verwaltungsaufwand deutlich senkt.

Beispiel: Großhandel mit 120 Kunden

Gesamtumsatz: 3.000.000 €
A-Kunden (12): 2.400.000 € (80 %)
B-Kunden (36): 450.000 € (15 %)
C-Kunden (72): 150.000 € (5 %)

Die 72 C-Kunden verursachen jedoch 40 % der Auftragsbearbeitungszeit. → Mindestbestellwert einführen, Online-Bestellung für C-Kunden verpflichtend — Bearbeitungszeit sinkt, Marge steigt.


Die ABC-Analyse ist ein Werkzeug, kein Urteil. Sie zeigt, wo Energie investiert ist — und wo sie besser aufgehoben wäre. Wer sie regelmäßig durchführt, entwickelt ein Gespür für die echten Werttreiber seines Geschäfts.

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