Was der Break-Even-Punkt zeigt
Jeder Betrieb hat Kosten, die unabhängig vom Umsatz laufen: Miete, Leasingraten, Festgehälter, Versicherungen. Diese Fixkosten müssen durch die Summe aller Deckungsbeiträge der Aufträge gedeckt werden, bevor der erste Gewinn entsteht. Der Punkt, an dem genau das passiert, ist der Break-Even — die Gewinnschwelle.
Wer seinen Break-Even-Punkt kennt, weiß, wie viel Umsatz er mindestens braucht, um überhaupt zu überleben. Und er weiß, wie viel Sicherheitsabstand der aktuelle Umsatz dazu lässt — oder eben nicht.
Berechnung des Break-Even-Umsatzes:
Break-Even-Umsatz = Fixkosten / Deckungsbeitragsquote
DB-Quote = Deckungsbeitrag / Umsatz × 100
Sicherheitsabstand = Ist-Umsatz − Break-Even-Umsatz
Bedeutung für die Preissetzung
Der Break-Even-Punkt ist keine rein theoretische Zahl — er hat direkte Konsequenzen für Preisverhandlungen. Wenn ein Betrieb einen Auftrag annimmt, der mit einem niedrigen Preis kalkuliert ist, verschiebt er den Break-Even nach oben: Er braucht mehr Umsatz, um die Fixkosten zu decken. Das ist besonders gefährlich in Phasen mit saisonalem Rückgang oder hohem Wettbewerbsdruck.
Umgekehrt gilt: Wer seinen Break-Even kennt, kann sicher entscheiden, wie weit er in einem Auftrag preislich gehen kann — ohne die Gesamtprofitabilität zu gefährden.
Break-Even für neue Investitionen
Bevor eine größere Investition getätigt wird — neue Maschine, zusätzlicher Mitarbeiter, neue Räumlichkeit — sollte der Break-Even neu berechnet werden. Jede Fixkostensteigerung erhöht den Mindestumsatz, der zur Kostendeckung notwendig ist. Eine neue Maschine für 120.000 Euro mit 10 Jahren Laufzeit ergibt 12.000 Euro Abschreibung pro Jahr — dazu kommen Zinsen, Wartung, Energie. Wie viele zusätzliche Aufträge braucht es, um das zu tragen?
Time-to-Break-Even bei Neugründungen
Bei neuen Betrieben, neuen Produktlinien oder neuen Filialen ist der Break-Even zeitbasiert: Wie viele Monate dauert es, bis der monatliche Umsatz die monatlichen Gesamtkosten deckt? Wer das nicht im Voraus rechnet, merkt es erst, wenn das Startkapital aufgebraucht ist.
Beispiel: Elektrobetrieb, Sicherheitsabstand berechnen
Elektroinstallation GmbH, 7 Mitarbeiter
Monatliche Fixkosten: 40.000 €
(Gehälter Büro/Meister, Miete, Leasing, Versicherungen, Steuerberatung)
Durchschnittliche DB-Quote aller Aufträge: 40 %
→ Break-Even-Umsatz: 40.000 / 0,40 = 100.000 € / Monat
Tatsächlicher Monatsumsatz (Ø letztes Jahr): 125.000 €
→ Sicherheitsabstand: 25.000 € (20 % über BEP)
Bei einem Auftragsrückgang von 20 % läge der Betrieb genau am Break-Even — kein Puffer. Das ist für einen Betrieb mit saisonalen Schwankungen zu wenig.
Wie eine Fixkostensteigerung den BEP verändert
Im Beispiel oben: Wenn ein zweiter Meister eingestellt wird (+3.500 €/Monat), steigen die Fixkosten auf 43.500 €. Der neue Break-Even: 43.500 / 0,40 = 108.750 €/Monat. Der Sicherheitsabstand sinkt von 25.000 auf 16.250 Euro — fast eine Halbierung. Diese Rechnung sollte vor jeder Personalentscheidung stehen.
Der Break-Even-Punkt ist keine Zahl, die einmal berechnet und dann vergessen wird. Er verändert sich mit jeder Preiserhöhung, jeder Neueinstellung, jeder Investition. Wer ihn regelmäßig prüft, trifft bessere Entscheidungen — bei Aufträgen, bei Preisen und bei der Kostenkontrolle.