Was bei einer Due Diligence geprüft wird
Eine vollständige Due Diligence umfasst mehrere Prüfbereiche, die parallel von Spezialisten bearbeitet werden. In KMU-Transaktionen werden diese oft zusammengefasst oder priorisiert — aber alle relevanten Bereiche sollten zumindest überblicksartig behandelt werden.
Finanzielle Due Diligence (Financial DD)
- Analyse der letzten 3–5 Jahresabschlüsse (Bilanz, GuV, Anhang)
- Prüfung des EBITDA auf Nachhaltigkeit — Bereinigung einmaliger Posten
- Cashflow-Analyse und Working-Capital-Entwicklung
- Offene Verbindlichkeiten, Rückstellungen, latente Steuern
- Investitionsplanung und CapEx-Bedarf
Rechtliche Due Diligence (Legal DD)
- Gesellschaftsstruktur, Gesellschafterverträge, Satzung
- Bestehende Verträge: Kunden, Lieferanten, Miet- und Leasingverträge
- Laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten
- Patente, Schutzrechte, Lizenzen
- Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen, Kündigungsrisiken
Operative Due Diligence (Operational DD)
- Geschäftsmodell, Marktposition, Wettbewerbssituation
- Kundenbasis — Klumpenrisiken (einzelne Kunden mit >20 % Umsatzanteil)
- Lieferantenabhängigkeiten
- Mitarbeiterstruktur, Schlüsselpersonen, Fluktuation
- Prozesse, IT-Systeme, Qualitätssicherung
Typischer Ablauf einer Due Diligence
Phase 1 — Vorbereitung (2–4 Wochen):
NDA unterzeichnet, Letter of Intent vorliegt. Verkäufer bereitet Datenraum vor (physisch oder digital). Käufer benennt sein DD-Team (Steuerberater, Anwalt, ggf. Berater).
Phase 2 — Dokumentenprüfung (3–6 Wochen):
Käufer-Team sichtet alle bereitgestellten Unterlagen. Offene Fragen werden in sogenannten "Q&A"-Listen gesammelt und schriftlich an den Verkäufer übermittelt.
Phase 3 — Management-Gespräche (1–2 Wochen):
Käufer trifft Geschäftsführung, oft auch Führungskräfte. Strategische Fragen, operative Details, Wachstumspotenziale werden besprochen.
Phase 4 — DD-Bericht und Kaufpreisanpassung:
Alle Befunde werden im Due-Diligence-Report zusammengefasst. Wesentliche Risiken ("Red Flags") können zur Kaufpreisanpassung oder zu Garantieforderungen führen.
Was Verkäufer vorbereiten müssen
Verkäufer, die gut vorbereitet in eine DD gehen, haben einen entscheidenden Vorteil: Sie wirken professionell, verkürzen den Prozess und vermeiden Kaufpreisabschläge durch späte oder unvollständige Offenlegung.
Checkliste für Verkäufer:
- Jahresabschlüsse der letzten 3–5 Jahre vollständig und testiert
- Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) aktuell
- Alle wesentlichen Verträge vollständig und unterschrieben
- Gesellschaftsvertrag aktuell und notariell beglaubigt
- Arbeitsverträge der Schlüsselpersonen dokumentiert
- Laufende Rechtsstreitigkeiten transparent kommuniziert
- Bereinigten EBITDA eigenständig berechnet und begründet
Besonders wichtig: Keine Überraschungen. Was der Käufer später in der DD selbst entdeckt, kostet mehr Vertrauen und Kaufpreis als eine frühzeitige, proaktive Offenlegung.
Eine Due Diligence ist kein Misstrauensvotum — sie ist Standard bei jeder seriösen Transaktion. Wer als Verkäufer entspannt und vorbereitet durch diesen Prozess geht, signalisiert Reife und erhöht die Chance auf einen fairen Abschluss.