Finanzen & Controlling

Fixkosten und variable Kosten

Julian Weisel · Fachbegriff

Fixkosten laufen unabhängig davon, wie viel ein Betrieb produziert oder verkauft — variable Kosten entstehen nur, wenn Aufträge ausgeführt werden. Die Kenntnis beider Kostenarten ist die Voraussetzung für jede sinnvolle Kalkulation und Unternehmenssteuerung.

Fixkosten: was immer läuft

Fixkosten sind Kosten, die innerhalb einer Periode konstant bleiben, unabhängig davon, wie viel der Betrieb produziert oder umsetzt. Ob ein Handwerksbetrieb im Januar drei oder dreißig Aufträge hat — die Miete, die Leasingrate für Fahrzeuge und die Grundgehälter der Festangestellten fallen in jedem Fall an.

Typische Fixkosten in Handwerk und Dienstleistung:

  • Miete und Nebenkosten für Büro, Lager, Werkstatt
  • Leasingraten für Fahrzeuge und Maschinen
  • Gehälter festangestellter Mitarbeiter (inkl. Arbeitgeberanteil SV)
  • Abschreibungen auf Anlagevermögen
  • Versicherungen (Betriebshaftpflicht, KFZ, BG-Beiträge)
  • Steuerberater, Buchhaltung, Software-Abonnements
  • Kredittilgung und Zinsen

Variable Kosten: was mit dem Auftrag entsteht

Variable Kosten entstehen direkt durch Aufträge oder Leistungen — und entfallen, wenn kein Auftrag da ist. Sie verändern sich proportional oder annähernd proportional zum Umsatz.

Typische variable Kosten:

  • Material und Waren für konkrete Aufträge
  • Fremdleistungen und Subunternehmer
  • Auftragsbezogene Fahrtkosten und Spesen
  • Akkordlöhne und Stücklöhne
  • Provisionen und umsatzabhängige Vergütungen
  • Verpackung und Versand

Mischkosten: semi-variable Kosten

In der Praxis gibt es auch Mischkosten, die weder rein fix noch rein variabel sind. Strom ist ein Beispiel: Es gibt einen fixen Grundbetrag, der Rest schwankt mit der Produktion. Telefonkosten oder Kfz-Betriebskosten gehören oft dazu. Für die Kalkulation werden Mischkosten meistens einem der beiden Blöcke zugeordnet — eine saubere Trennlinie gibt es selten.

Die Kostenstruktur als strategische Entscheidung

Ob ein Betrieb lieber mit hohen Fixkosten oder hohen variablen Kosten operiert, ist keine Buchhalter-Frage — es ist eine strategische Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Hohe Fixkosten bedeuten: Bei guter Auslastung ist der Gewinn hoch (Kostendegression), bei schlechter Auslastung steigt das Verlustrisiko schnell. Hohe variable Kosten (z. B. durch Subunternehmer statt Festangestellte) bedeuten: Das Risiko sinkt, aber der Gewinn bei voller Auslastung ist geringer.

Kostendegression der Fixkosten:

Fixkosten je Einheit = Gesamte Fixkosten / Produktionsmenge

→ Je höher die Auslastung, desto niedriger die Fixkosten je Einheit oder Auftrag.

Beispiel: Zwei Betriebe, gleicher Umsatz, verschiedene Strukturen

Fliesenleger-Betrieb A (kapitalintensiv)
Umsatz: 1.200.000 € | Fixkosten: 600.000 € | Variable Kosten: 420.000 €
Deckungsbeitrag: 780.000 € | EBIT: 180.000 €

Fliesenleger-Betrieb B (flexibel, viele Subunternehmer)
Umsatz: 1.200.000 € | Fixkosten: 200.000 € | Variable Kosten: 840.000 €
Deckungsbeitrag: 360.000 € | EBIT: 160.000 €

Bei einem Umsatzeinbruch von 30 % (→ 840.000 €):
Betrieb A: Variable Kosten sinken auf 294.000 €, aber 600.000 € Fixkosten bleiben — EBIT: −54.000 €
Betrieb B: Variable Kosten sinken auf 588.000 €, Fixkosten bleiben 200.000 € — EBIT: +52.000 €

Betrieb B übersteht denselben Einbruch deutlich besser — nicht weil er besser wirtschaftet, sondern weil seine Kostenstruktur flexibler ist.


Die Unterscheidung zwischen fix und variabel ist keine akademische Übung. Sie entscheidet darüber, wie schnell ein Betrieb in die roten Zahlen rutscht, wenn der Umsatz einbricht — und wie schnell er wieder herauskommt, wenn es besser läuft.

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