Warum der Lohnabstand wichtig ist
Ein ausgebildeter Geselle erwartet einen sichtbaren Abstand zum Hilfsarbeiter, der ohne Ausbildung beschäftigt ist. Schrumpft dieser Abstand auf nur noch 1–2 €/h, entsteht intern Unzufriedenheit: "Warum gebe ich mir Mühe und qualifiziere mich, wenn der ungelernte Kollege fast dasselbe verdient?" Mittelfristig führt das zu Fluktuation der besten Kräfte — genau die, die am schwersten zu ersetzen sind.
Wie hoch sollte der Lohnabstand sein?
Branchenüblich liegt der Lohnabstand zwischen Mindestlohn und Facharbeiter bei 25–40 % (also etwa 3–5 €/h Differenz). Wer darunter operiert, läuft Risiko. Eine simple Faustregel: Wenn dein Geselle nicht erkennen kann, ob sich die zweijährige Ausbildung gelohnt hat, ist der Abstand zu klein.
Was passiert bei einer Mindestlohn-Erhöhung?
Steigt der Mindestlohn um 41 ct/h (wie zum 1.1.2025), bleibt der Stundenlohn des Facharbeiters zunächst gleich. Damit schrumpft der Abstand um exakt diesen Betrag. Für jeden Festangestellten muss die Stundenlohn-Anpassung kalkulatorisch eingeplant werden — in der Praxis 20–80 ct/h zusätzlich, je nach Branche und Lohngefüge.
Was die meisten KMU unterschätzen
Der Lohnabstand-Effekt ist oft höher als die reine Mindestlohn-Erhöhung. Ein Betrieb mit 3 Mindestlöhnern und 7 Festangestellten kalkuliert die Mindestlohn-Mehrkosten — und vergisst die 7 Anpassungen für die Festangestellten. Die echten Mehrkosten liegen oft beim Doppelten bis Dreifachen der reinen Mindestlohn-Erhöhung.
Wer mit diesem Begriff im Alltag arbeitet, kann ihn besser einordnen — wer ihn nicht kennt, übersieht oft die Steuerungswirkung dahinter.