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Management

Lohnabstand

Julian Weisel · Fachbegriff

Der Lohnabstand beschreibt den Stundenlohn-Unterschied zwischen Mindestlohn-Beschäftigten und qualifizierten Festangestellten im gleichen Betrieb. Steigt der Mindestlohn, schrumpft der Abstand — und Inhaber stehen vor der Wahl, die höheren Lohngruppen mitzuziehen oder das Risiko zu tragen, dass die guten Mitarbeitenden abwandern.

Warum der Lohnabstand wichtig ist

Ein ausgebildeter Geselle erwartet einen sichtbaren Abstand zum Hilfsarbeiter, der ohne Ausbildung beschäftigt ist. Schrumpft dieser Abstand auf nur noch 1–2 €/h, entsteht intern Unzufriedenheit: "Warum gebe ich mir Mühe und qualifiziere mich, wenn der ungelernte Kollege fast dasselbe verdient?" Mittelfristig führt das zu Fluktuation der besten Kräfte — genau die, die am schwersten zu ersetzen sind.

Wie hoch sollte der Lohnabstand sein?

Branchenüblich liegt der Lohnabstand zwischen Mindestlohn und Facharbeiter bei 25–40 % (also etwa 3–5 €/h Differenz). Wer darunter operiert, läuft Risiko. Eine simple Faustregel: Wenn dein Geselle nicht erkennen kann, ob sich die zweijährige Ausbildung gelohnt hat, ist der Abstand zu klein.

Was passiert bei einer Mindestlohn-Erhöhung?

Steigt der Mindestlohn um 41 ct/h (wie zum 1.1.2025), bleibt der Stundenlohn des Facharbeiters zunächst gleich. Damit schrumpft der Abstand um exakt diesen Betrag. Für jeden Festangestellten muss die Stundenlohn-Anpassung kalkulatorisch eingeplant werden — in der Praxis 20–80 ct/h zusätzlich, je nach Branche und Lohngefüge.

Was die meisten KMU unterschätzen

Der Lohnabstand-Effekt ist oft höher als die reine Mindestlohn-Erhöhung. Ein Betrieb mit 3 Mindestlöhnern und 7 Festangestellten kalkuliert die Mindestlohn-Mehrkosten — und vergisst die 7 Anpassungen für die Festangestellten. Die echten Mehrkosten liegen oft beim Doppelten bis Dreifachen der reinen Mindestlohn-Erhöhung.


Wer mit diesem Begriff im Alltag arbeitet, kann ihn besser einordnen — wer ihn nicht kennt, übersieht oft die Steuerungswirkung dahinter.

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