Wann selbst machen (Make)?
Eigenleistung ist sinnvoll, wenn:
- Die Leistung Teil der Kernkompetenz ist — das, was das Unternehmen besser kann als andere
- Internes Know-how erhalten oder aufgebaut werden soll
- Die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten ein strategisches Risiko darstellt
- Qualitäts- oder Geheimhaltungsanforderungen eine externe Vergabe erschweren
- Skaleneffekte die interne Produktion langfristig günstiger machen
Wann einkaufen (Buy)?
Fremdvergabe ist sinnvoller, wenn:
- Externe Anbieter die Leistung schneller, besser oder günstiger erbringen
- Es sich um eine Randfunktion handelt, die nicht zum Kerngeschäft gehört
- Die eigenen Ressourcen (Kapital, Personal, Zeit) für wichtigere Aufgaben gebraucht werden
- Der Bedarf stark schwankt und eine eigene Kapazität dauerhaft unwirtschaftlich wäre
- Die Investition in Anlagen oder Know-how sich nicht rechnet
Die Entscheidungsmatrix: vier Quadranten
Eine einfache 2x2-Matrix hilft, die Entscheidung zu strukturieren. Die zwei Achsen: strategische Bedeutung (hoch/niedrig) und relative Kostenvorteil durch Eigenfertigung (hoch/niedrig).
Vereinfachte Entscheidungslogik:
Hohe Bedeutung + Eigenvorteil → Make (Kernkompetenz)
Hohe Bedeutung + Fremdvorteil → strategische Partnerschaft
Niedrige Bedeutung + Eigenvorteil → Make (wenn kein Aufwand)
Niedrige Bedeutung + Fremdvorteil → Buy (auslagern)
Versteckte Kosten — die häufig unterschätzte Seite
Der häufigste Fehler bei Make-or-Buy-Entscheidungen: nur die direkten Kosten vergleichen. Wer intern nur die Materialkosten ansetzt, übersieht Gemeinkosten, Managementaufwand, Fehlerkosten und gebundenes Kapital. Wer extern nur den Angebotspreis nimmt, übersieht Transaktionskosten, Qualitätskontrolle, Abhängigkeitsrisiken und den Aufwand für Lieferantenmanagement.
Ein vollständiger Kostenvergleich rechnet beide Seiten vollständig durch — inklusive der Opportunitätskosten: Was könnte das Unternehmen mit den freigesetzten Ressourcen sonst tun?
Beispiel: Lohnbuchhaltung im Handwerksbetrieb
Ein Betrieb mit 15 Mitarbeitern überlegt, die Lohnbuchhaltung auszulagern. Intern: 6 Stunden pro Monat Inhaberzeit à 80 €/h = 480 €/Monat. Steuerberater: 220 €/Monat (Pauschalangebot).
Rein kostenseitig lohnt sich Buy klar. Aber: Der Steuerberater kennt die Besonderheiten der Branche nicht, und die Umstellungszeit kostet initial 3–4 Stunden. Nach der Umstellung spart der Inhaber jedoch 6 Stunden monatlich — Zeit, die direkt ins operative Geschäft fließt.
→ Buy-Entscheidung sinnvoll: Kostenersparnis + Zeitgewinn für wichtigere Aufgaben.
Make-or-Buy ist keine einmalige Entscheidung, sondern eine regelmäßige Überprüfung. Marktbedingungen, Betriebsgröße und Kernkompetenzen ändern sich — was vor fünf Jahren richtig war, kann heute die falsche Antwort sein.