Liquidität & Kapital

Skonto

Julian Weisel · 5 Min Lesezeit

Skonto ist ein Preisnachlass, den ein Lieferant für besonders frühzeitige Zahlung gewährt — für den Käufer ist er effektiv ein sehr günstiger Kredit, für den Verkäufer ein Instrument zur Liquiditätssicherung.

Was Skonto bedeutet

Skonto taucht auf jeder zweiten Lieferantenrechnung auf, wird aber erstaunlich selten bewusst genutzt. Die typische Formulierung lautet: "2% Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, netto zahlbar in 30 Tagen." Das bedeutet: Wer innerhalb von 10 Tagen zahlt, bekommt 2 % Rabatt. Wer 30 Tage wartet, zahlt den vollen Betrag.

Auf den ersten Blick sind 2 % wenig. Aber die entscheidende Frage ist: Was kostet das Geld, das du 20 Tage früher zahlst? Die Antwort liefert der effektive Jahreszins.

Effektiver Jahreszins bei Skonto:

EJZ = (Skontosatz ÷ (100 − Skontosatz)) × (360 ÷ Zahlungszieldifferenz) × 100

Die Formel in der Praxis

Nehmen wir das Standardbeispiel: 2 % Skonto, 10 Tage Skontofrist, 30 Tage Zahlungsziel. Die Zahlungszieldifferenz beträgt 20 Tage.

EJZ = (2 ÷ 98) × (360 ÷ 20) × 100 = 0,02041 × 18 × 100 ≈ 36,7 % p.a.

Das ist der Zinssatz, den du implizit bezahlst, wenn du Skonto nicht ziehst — denn dann finanzierst du dich über den Lieferantenkredit statt über dein Konto. Und dieser Lieferantenkredit kostet dich effektiv fast 37 % im Jahr. Kein Kontokorrentkredit der Welt ist so teuer.

Wann Skonto ziehen lohnt

Fast immer — vorausgesetzt, du hast die Liquidität dafür. Die Faustregel: Wenn dein Kontokorrentkredit weniger als den errechneten effektiven Jahreszins kostet, lohnt es sich, den Kredit zu nutzen und Skonto zu ziehen. Bei einem Kontokorrentrahmen mit 8 % p.a. und einem Skonto-EJZ von 36 % ist die Rechnung eindeutig: 8 % Zinsen zahlen, 36 % „Zinsen" sparen.

Nur wenn du keine Kreditlinie hast und das Konto wirklich leer ist, kann ein Verzicht auf Skonto sinnvoll sein — aber dann solltest du die Liquiditätssituation insgesamt überdenken.

Skonto auf der Verkaufsseite anbieten

Als Verkäufer kann Skonto ein sinnvolles Instrument sein, um Liquidität zu beschleunigen. Statt 30 Tage auf das Geld zu warten, hast du es in 10 Tagen — zu einem Preis von 2 %. Das kann sich lohnen, wenn du selbst Liquiditätsbedarf hast oder Zahlungsausfälle vermeiden willst.

Aber: Skonto anbieten kostet. Bei 1 Million Euro Jahresumsatz und durchgehend genutztem 2 %-Skonto sind das 20.000 Euro Nachlass pro Jahr. Vor dem Angebot sollte die Kalkulation stehen.

Der häufigste Fehler: Skonto ziehen ohne zu zahlen

Es kommt vor, dass Unternehmen Skonto abziehen, aber nicht innerhalb der Frist zahlen. Das beschädigt das Vertrauen des Lieferanten dauerhaft — und kann dazu führen, dass Skonto-Konditionen gestrichen werden. Im schlimmsten Fall führt es zu Mahnungen und Rechtsstreitigkeiten über Differenzbeträge, die eigentlich cent-klein sind. Die Regel ist simpel: Skonto nur abziehen, wenn die Zahlung tatsächlich fristgerecht raus ist.

Beispiel: Lieferantenrechnung mit Skontobedingung

Rechnung: 10.000 € · Bedingung: "2/10 netto 30"
Skonto bei Zahlung in 10 Tagen: 200 €
Zu zahlender Betrag: 9.800 €

EJZ = (200 ÷ 9.800) × (360 ÷ 20) × 100 ≈ 36,7 %
Kontokorrentkredit des Betriebs: 8 % p.a.
→ Skonto ziehen lohnt sich klar. 8 % Zinsen zahlen statt effektiv 36,7 % auf den Lieferantenkredit.


Skonto ist oft die günstigste Finanzierungsentscheidung, die ein Betrieb täglich treffen kann — sie wird aber selten bewusst als Finanzierungsfrage behandelt. Wer die Formel einmal verstanden hat, schaut Lieferantenrechnungen mit anderen Augen an.

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